einige Worte vorab

Gustav Schulz
Gustav Schulz um 1927

Im Frühjahr 1927 stellte mein Großonkel Gustav Schulz den Antrag auf Erlangung der Deutschen Staatsbürgerschaft. Die Unterlagen zu diesem Vorgang konnte ich aus dem Brandenburgischen Landeshauptarchiv bekommen. Ein umfassendes Konvolut an Dokumenten belegt den komplizierten Vorgang einer Einbürgerung während der Zeit der Weimarer Republik.

Der Antrag wurde positiv beschieden. Jedoch 1933 mußte Gustav erneut umfassend Auskunft erteilen. Den Akten liegt ein Fragebogen zur Durchführung des Reichsgesetzes über den Widerruf von Einbürgerungen und die Aberkennung der deutschen Staatsangehörigkeit vom 14. Juli 1933 bei.

In diesen Einbürgerungsunterlagen werden viele Fakten zu den Familien genannt. Zugleich sind sie eine Illustration der viel genannten Deutschen Bürokratie. In den Akten wird auch der Wechsel zwischen Weimarer Republik und dem Nationalsozialistischen Deutschen Reich deutlich.

Bei den Unterlagen war auch ein handgeschriebener Lebenslauf des Antragstellers. Hier der von Gustav Schulz. Ich habe den Text nur behutsam redigiert, er gibt so die Sprache der Wolhyniendeutschen in Ansätzen wieder.

Lebenslauf

Ich, Gustav Schulz, geboren am 11/8.93 zu Romanofka, (Ukraine), und war bei meinen Eltern. Vom 7.ten Jahre an bin ich zur Schule gegangen und habe die Deutsche und Russiche Schrift gelernt meine Muter Sprache ist Deutsch. Beherrsche auch die Russische Sprache. Im 14.ten Lebensjahr bin ich konfirmiert und habe dann bei meinen Eltern in der Landwirtschaft gearbeitet bis zum 21.ten Lebensjahr. Dann wurde ich als Soldat eingezogen nach Lutzk. Dort wurde ich ausgebildet bei der Infanterie und kam ins Feld nach Türkei, beim Rückzug 1915 der Russischen Armee kam ich zur Verstärkung nach Galitzingen. Am 24/5.15 kam ich in der Gefangenschaft nach Östreich ins Gefangenenlager nach Brix /Böhmen, da war ich als Dolmech beim Dokter Kohn, bis zum 2/11.1918. Dann wurden wir frei gelassen und bin dann auf eigene Faust zurik nach Russland gefahren. Bis Polen durch Polen bin ich zu Fuss marschiert bis Brestlitowsk. Von da aus bin ich von dem Deutschen Fürsorgeverein nach Deutschland geschickt nach Königsberg. Dort habe ich mich befragt wo meine Eltern sich befinden. Dann kam ich nach kl. Eichholz Gut, zu meinen Eltern. Da war ich dann als Landarbeiter tätig bei Oberleitnand Lukas. Im Jahr 1922 habe ich mich verheiratet. Ich bekam auch eine Wohnung zugewiesen und arbeitete dort bis zum 28/2.24. Am 28/3.24 über nahm ich die hiesige Schweitzerstelle und wohne hier bis zum heitigen Tage. Ich bin auch noch nie bestraft gewesen auch nicht mal als Zeigge vor Gericht erschienen, auch mein Vater ist unbescholten. Er ist jitz wohnhaft in Stutgarten bei Storkow.

Meine Gesinnung ist national. Deshalb beantrage ich die Neutrallisirung, da ich beabsichtige ständig in Deutschland zu bleiben.

Scaby den 24/11.27

Gustav Schulz